»was – is – will be · 40 Years of Gallery«

7. Mai – 24. November 2019 Themenausstellung in der La Galleria Dorothea van der Koelen Venezia Venedig, Italien


Künstler der Ausstellung

Mohammed Kazem - Ausstellung »was – is – will be · 40 Years of Gallery«
Kazem
Joseph Kosuth - Ausstellung »was – is – will be · 40 Years of Gallery«
Kosuth
Fabrizio Plessi - Ausstellung »was – is – will be · 40 Years of Gallery«
Plessi
Arne Quinze - Ausstellung »was – is – will be · 40 Years of Gallery«
Quinze
Turi Simeti - Ausstellung »was – is – will be · 40 Years of Gallery«
Simeti

Lore Bert, Daniel Buren, Heinz Gappmayr, François Morellet, Günther Uecker

Der Titel der Ausstellung geht auf den Argentinier Lucio Fontana zurück, der seine den Raum erobernden Arbeiten »Concetto spaziale« (›Raumkonzept‹) nannte. Im Jahr 1946 initiierte Fontana das »Manifesto bianco« (›Weißes Manifest‹), das die Gedanken des Futurismus aufnahm, eine Synthese von Malerei, Bildhauerei, Musik und Dichtung vorschlug und eine Abkehr von den herkömmlichen Materialien forderte. Dieses neue Raumkonzept setzte Fontana um, indem er Bilder perforierte und damit statt eines zweidimensionalen Werkes eine (physische) Räumlichkeit in seinen Bildern erreichte. Ab 1949 entstehen seine ersten Buchi (Löcher), ab 1958 seine Tagli (Schnitte), bei denen nicht nur die Leinwände materiell, sondern auch intellektuell die Grundbedingungen der traditionellen Malerei zerstört wurden.

In der Ausstellung präsentieren sich berühmte Biennale-Künstler ebenso wie junge Talente, die zum ersten Mal zur Biennale in Venedig ausgestellt werden.

Der weltberühmte französische Streifenkünstler und vielfache Biennale- und Documenta-Teilnehmer Daniel Buren, der 2007 mit dem ›Praemium Imperiale‹ ausgezeichnet wurde und 2016 zur Neueröffnung der ›Fondation Louis Vuitton in Paris‹ das segelartige Dach des Gehry-Baus mit leuchtenden Farbflächen überzog, zeigt in La Galleria ein ebenso leuchtendes pink­farbenes Glasbild. Im Abstand zur Wand gehängt wird eine räumliche Situation erzeugt. Die Arbeit steht im Kontext der New Yorker Einzelausstellung im Guggenheim Museum.

Den 90. Geburtstag von François Morellet würdigte die Galerie Dorothea van der Koelen in Mainz im letzten Jahr mit der Ausstellung »For my Birthday« und zeigte neuste Arbeiten des kurz darauf verstorbenen Großmeisters der konkreten Kunst. In seinen Werken bezieht er den immateriellen Raum in seine Konzeption mit ein, wenn er seine oft nach Zufalls­prinzipien konzipierten Strukturbilder und Raumkonstruktionen herstellt. In Venedig wird mit Concertant eines der letzten Bilder des Künstlers, noch aus dem Jahre 2016, präsentiert.

Der italienische Beitrag in der Ausstellung stammt von Turi Simeti, einem Mitglied der ›Gruppo n‹ – der italienischen Fraktion der Zero-Leute, die sich damals in Mailand um Lucio Fontana rankten und zu der auch Piero Manzoni, Gianni Colombo und Enrico Castellani etc. gehörten. Er gilt als direkter Repräsentant jener Bildwerke, die unter dem Begriff ›Concetti Spaziali‹ in die Kunstgeschichte eingegangen sind, und seine Teilnahme an der Ausstellung ist für uns eine besondere Ehre.

Neben ›Papier‹ ist ›Raum‹ der wichtigste Begriff um das Werk der international renommierten Künstlerin Lore Bert zu charakterisieren. Eigentlich sind alle Arbeiten von ihr irgendwie 3-dimensional. Dies gilt für ihre außergewöhnlichen Bildobjekte, ebenso wie für ihre Environments und sogar für ihre Collagen. Nach ihrem überwältigenden Erfolg bei ihrer Teilnahme an der 55. Kunst-Biennale in Venedig 2013 hat Lore Bert für ihren Venezianischen Beitrag ein Werk mit »Bunten Vierpässen« ausgewählt, das eigens für die Ausstellung entstanden ist und unmittelbar Bezug zu den architektonischen Gegebenheiten Venedigs offenbart.

Das junge Ausnahmetalent Sebastian Dannenberg ist zum ersten Mal in La Galleria vertreten. Der Künstler verortet Malerei im Raum, der dadurch neu definiert wird, und platziert Formen im Raum, deren Oberfläche malerisch gestaltet ist. Seine Werke bewegen sich im Spannungs­verhältnis zwischen Raumbezug und der autonomen Qualität einer transportablen Arbeit. In seinem Schaffen lässt er seine Malerei an ungewöhnlichen Orten entstehen, an Decke, Boden, in Durchgängen, in Ecken oder – wie in der Ausstellung – an Objekten, die in den Raum hineinragen.

Der Shooting Star der arabischen Emirate, Mohammed Kazem, der 2013 mit einem Multi-Media-Raum die VAE an der Biennale repräsentierte, verortet die Räume selbst, vermasst diese und positioniert sein Werk in Meridianen. Ortsbestimmungen war von jeher sein Thema. In dieser Ausstellung präsentiert er seine jüngsten Arbeiten, eine Art Synthese aus Licht und Raum, aus Photographie und Materialität, er empfängt das Licht, sammelt es und manifestiert es: Collecting Light – Receiving Light

Der niederländische Altmeister der Energie Jan van Munster hat mit seinen energiebezogenen Objekten und Installationen, oft unter Verwendung von Licht (Neon + Argon), zahlreiche Kunst-am-Bau Projekte realisiert. Seine Clone-Brainwave formuliert die Frage nach der Sicht­bar­machung von Gedanken auf energiegeladene Weise.

Bekannt geworden ist der junge Belgier Arne Quinze durch seine monumentalen Installationen mit Holz im öffentlichen Raum, die ein städtebauliches Bild der ganz eigenen Art entwerfen. Und auch seine Wandobjekte, aus zahllosen, in signifikantem Rot bemalten Hölzchen, finden sich in 3-dimesionalen Boxen und geben dem Chaos eine Struktur und Ordnung. Die Bidonville-Arbeit in der Ausstellung formuliert und visualisiert einen Städtebau der ganz besonderen Art.

Bei den Ergänzungen von Vera Röhm handelt es sich um Skulpturen, bei denen Natur und Kunst eine symbiotische Beziehung eingehen – sie leben von der Wahrnehmung und dem Licht, welches sie umgibt, dem Betrachter, der sie umrundet, um immer neue Ansichten zu entdecken. Ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Form und Raum, zwischen Realität und Fantasie entsteht. Die CADORO – das Zentrum für Kunst und Wissenschaft in Mainz, zeigt vom 1. April bis 10. Juni 2017 eine Einzelausstellung von Vera Röhm zum Thema Ergänzungen. Im Chorus-Verlag erscheint parallel das 456-seitige Werkverzeichnis »Opus Ergänzungen«.

Auf einer Werft in Hamburg entstehen die schillernden Skulpturen des Künstlers Wulf Kirschner, der in diesem Jahr mit einer Einzelausstellung in der CADORO am 23. September seinen 70. Geburtstag feiern wird. Unter Verwendung unterschiedlichster Bleche und Elek­tro­den, die er zeilenweise darauf schweißt, gelingt es dem deutschen Bildhauer seinen Reliefs eine poetische Farbigkeit und malerische Struktur zukommen zu lassen.

Dr.  Dorothea  van der Koelen

La Galleria